Aktuelles
Neue Mitgliedsbeiträge für das Jahr 2012!
Rückblick des Ehrenmitglieds Erwin Kupferschmid
Ende des Jahres 1945 durfte als erster Verein in Liptingen der Sportverein wiedergegründet werden. Die Spieler, die den Verein 1925 gegründet hatten und einigermaßen gesund aus dem 2.Weltkrieg heimkamen, hielten im Sommer 1945 die ersten Gespräche zur Wiedergründung des Sportvereins ab. Die treibenden Kräfte waren hierbei Stefan Kupferschmid, Anton Breinlinger und Martin Breinlinger, die vor dem Krieg schon Vorstand und Beisitzer im Sportverein Liptingen waren.
Mit jüngeren Heimkehrern wurde dann Ende des Jahres 1945 der Antrag auf Neugründung an den Sportoffizier der französischen Besatzungsmacht in Stockach gestellt. Die Vorstandschaft mußte in dreifacher Ausführung den Lebenslauf einreichen. Wer sich im Dritten Reich politisch betätigt hatte (SA, Par-tei usw.), durfte nicht in der Vorstandschaft mitwirken. Falsche Angaben konnten mindestens drei Jahre Gefangenschaft in Frankreich einbringen. Im Gründungsprotokoll hieß es unter anderem: "Alle politischen und religiösen Bestrebungen und Bindungen sind innerhalb des Vereins ausgeschlossen."
Es dauerte von der ersten Sitzung im Sommer 1945 bis zur endgültigen Genehmigung durch die Besatzungsmacht fast ein Jahr. Zum 1. Vorstand wurde dann Emil Renner gewählt. Gleichzeitig trat man dem neugegründeten Südbadischen Fußballlverband bei, der von der französischen Besatzungsmacht ins Leben gerufen wurde. Im November 1946 begannen dann die Rundenspiele.
Beim Sportverein Liptingen spielten auch vier Spieler aus Emmingen mit. Es waren dies Hans Keller, Adolf Heller, Otto Störk und Fritz Gnirß. Die erste Runde wurde dann auch sehr erfolgreich abgeschlossen. Wir wurden Kreismeister vom Bezirk Stockach, konnten aber nicht aufsteigen, weil die Gruppen neu eingeteilt wurden. Die ersten Trikots wurden aus Kopfkissenbezügen von einer gelernten Näherin zum Gotteslohn genäht.
Hervorzuheben war die gute Kameradschaft in der Mannschaft. Der Altersunterschied betrug immerhin bis zu 15 Jahren. Transportmittel für die Fußballer war ein 20 PS-Kramertraktor mit Gummiwagen. Einmal fuhren wir sogar mit einem Holzfuhrschlitten am Traktor im Winter 1946/47 zum Rundenspiel nach Stockach. Ab 1947/48 war es dann ein Fuhrunternehmer aus Mainwangen mit Holzvergaserlaster, der uns zu den Rundenspielen nach auswärts brachte. Nach dem Auswärtsspiel in Eigeltingen streikte der Holzvergaser und wir muß-ten die 11 km zu Fuß mit Kind und Kegel nach Hause marschieren. Neun Stunden nach Spielschluß kamen dann die letzten Spieler mit etwas Schräglage, aber sonst wohlbehalten zu Hause an.
Ab 1949 wurde bei jeder Generalversammlung ein Bunter Abend abgehalten, der zwecks Auffüllung der Vereinskasse bis 1964 beibehalten wurde und allseits viel Spaß und Freude bereitete. Nach der Währungsreform im Juli 1948 waren wir ein sehr armer Verein und waren schon ab kleinsten Spenden froh.
Das Spieljahr 1955/56 brachte uns die Kreismeisterschaft vom Bezirk Stockach. Im Entscheidungsspiel gegen Stockach II in Nenzingen wurden wir Sieger mit 7:3 Toren. Dies war für uns ein sehr großer Erfolg, errungen durch höchsten Einsatz und große Kameradschaft.
Das Spieljahr 1965/66 brachte uns dann die größte Krise im bisherigen Bestehen des Vereins. Infolge Spielermangels musste die 1.Mannschaft zurückgezogen werden. Der 1. Vorstand Josef Gassner trat zurück, der 2. Vorstand Jo-hann Breinlinger musste den Verein kommissarisch leiten. Erst im März 1967 wurde Walter Weinbuch als 1.Vorstand gewonnen und es gelang uns dann auch wieder eine 1.Mannschaft aufzustellen.
(Erwin Kupferschmid ist Ehrenmitglied des Sportvereins Liptingen. Er war langjähriger aktiver Sportler und nach dem 2. Weltkrieg über 30 Jahre Vereinskassier. Seinen Rückblick trug er 1995 anlässlich des Stehempfangs zum 70-jährigen Jubiläum des Sportvereins Liptingen vor.)
Stand: 03.05.2012 | Version 2.0 | Design by Daniel Langlois | © by SV-Liptingen